Gotische Altartafel im Museum LinzGenesis
(Abb Gotische Altartafel. Geburt Christi im Museum LinzGenesis. Foto: Nordico)

Dieses Holzrelief stammt aus der ehemaligen Dreifaltigkeitskapelle in der Hahnengasse 10, jetzt Alter Markt, die 1945 durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Es hat noch die ursprüngliche Fassung bewahrt, es fehlen lediglich die Hände Marias und die rechte Hand Josefs.
Die Tafel steht dem Schnitzer des Kefermarkter Altars nahe und gehört wie dieser dem letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts an.
In einem bemerkenswerten Streben nach Raumfüllung breitet der Schnitzer in Flachrelief eine Fülle von Gestalten und genremäßigen Einzelheiten um die klar erfasste Hauptgruppe des von zwei Engeln gehaltenen und von den knienden Eltern flankierten Christuskindes aus.
Der Hintergrund ist durch den Pfeiler eines Korbbogens in zwei Hälften geteilt. Links eine Landschaft mit befestigter Stadt und Bergschloss, ein sitzender Hirte, vom Bildrand halb durchschnitten, mit Schafen, vor ihm ein schwebender Engel, über ihm drei Engel mit Schriftband: "Gloria in excelsis Deo".
Die rechte Hälfte des Hintergrundes wird von altertümelnder rundbogiger Ruinenarchitektur gebildet. Ein Durchblick zeigt einen Wanderer mit Hut und Ränzel im Profil nach links. Hinter dem Mittelpfeiler ein Hirt mit Haube, den Hut in der Hand haltend. Neben ihm sind hintereinander Ochs und Esel sichtbar. Am rechten Bildrand ist die Halbfigur eines Engels an einer durchbrochenen Balustrade dargestellt, der mit seinem rechten Arm auf diese gestützt ist, wobei die Hand das rechte Auge verdeckt. Hinter dem Engel ein Mast mit Gabelung, auf der ein waagrechter Rundbalken aufruht.
Die Relieftafel kann nicht ursprünglich zum Bestand der Dreifaltigkeitskapelle gehört haben, denn sie ist Teileines Flügelaltars, der in der Kapelle nicht Platz gefunden hätte. Das Reliefhat die Maße 172 mal 124 cm, ein Flügel daher 344 mal 124 cm und der ganze Altar bei geöffneten Flügeln eine Breite von etwa fünf Metern.
Da die Jesuiten die Dreifaltigkeitskapelle seit 1603 innehatten und überdies Einfluss auf die Stadtpfarrkirche besaßen, könnte die Tafel als ein Rest des ehemaligen Hochaltars der Stadtpfarrkirche in die Kapelle gelangt sein. Dann wäre auch ein Anhaltspunkt für die genauere Datierung gewonnen, denn Friedrich III. ließ 1493 eine "Tavell auf ein Altar" aus der Stadtpfarrkirche nach Zeiselmauer verbringen und vergütete dafür zwanzig Pfund Pfennige, was aus Anlass der Neuaufstellung eines Altars erfolgt sein dürfte.
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